Historische Bibliothek der Stadt Rudolstadt

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Historische Bibliothek
Tobias Zober

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Sammlungen

Die vielschichtige Zusammensetzung der Sammlungen erklärt sich aus der Entwicklung von einer Hofkirchenbibliothek am Ende des 16. Jahrhunderts zur territorialstaatlichen Landesbibliothek des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt im 19. Jahrhundert.

Institutiones
Institutiones. Straßburg 1472.
Ältester Druck der Bibliothek.
Eine wechselhafte Bibliotheksgeschichte (vor allem bis zur Neukonstituierung der fürstlichen Sammlungen nach ihrem 1805 erfolgtem Umzug von der Heidecksburg in die Stadt), historisch bedingte Sammlungsgrundsätze sowie unterschiedliche Erwerbsquellen (Kauf, Tausch, Pflichtexemplare der 1663 gegründeten Hofbuchdruckerei, aber auch zum Teil umfangreiche Schenkungen zumeist von Gelehrten, Lehrern, Theologen oder Beamten) führten im Verlaufe der Jahrhunderte zu einem thematisch breiten Spektrum von Handschriften, gedruckten Büchern, Zeitschriften und Kleinschrifttum. Zu den herausragenden Werken der Buch- und Druckgeschichte aus dem 15. Jahrhundert zählen zum Beispiel ein sehr seltenes Exemplar des Heldenbuches von 1479, die Biblia deutsch von 1483 oder die sogenannte Schedelsche Weltchronik von 1493.
Biblia
Biblia. Nürnberg 1483.
Unter den mehr als 2.500 Drucken des 16. Jahrhunderts beansprucht - neben zahlreichen Schriften antiker Autoren, der Reformatoren und Humanisten, Bibeln, Chroniken, Flugschriften, juristischer Texte u. a. - vor allem eine zweibändige Luther-Bibel von 1541 mit handschriftlichen Eintragungen von Martin Luther und weiteren Wittenberger Reformatoren wie Philipp Melanchthon, Caspar Creutziger d.Ä., Justus Jonas d.Ä. und Paul Luther besondere Aufmerksamkeit. Nach bisherigen Erkenntnissen gelangte dieses Exemplar bereits im frühen 17. Jahrhundert in den Besitz der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt.
Carmina pascalia
"Modekupfer" aus: Journal
des Luxus und der Moden,
1791.

Dem Interesse des Fürsten Ludwig Günther von Schwarzburg-Rudolstadt (1708-1790) an bedeutenden und prachtvoll illustrierten Wissenschaftswerken sowie an philosophischer und schöngeistiger Literatur seiner Zeit ist u. a. der Besitz des zu den schönsten Pflanzenbüchern des 18. Jahrhunderts zählende, monumentale Kupferstichwerk Plantae selectae von Christoph Jacob Treu (erschienen in Augsburg 1750-1773), Meisterwerke der französischen Buchkunst aus dem 18. Jahrhundert oder Johann Wolfgang von Goethes Römischer Carneval in der bibliophilen Erstausgabe von 1789 zu danken.

Tausende Drucke der 1663 gegründeten Hofbuchdruckerei und ihrer Nachfolger, darunter u. a. zahlreiche Schulschriften und Leichenpredigten, sind eine bisher nur in Ansätzen erforschte Quelle zur Rudolstädter Druck- und Verlagsgeschichte. Zu den umfangreichsten wie auch bedeutendsten Erwerbungen im 19. Jahrhundert zählen zwei Rudolstädter Privatbibliotheken: 1804 gingen die 17.000 Bände umfassende Bibliothek des Beamten Carl Gerd von Ketelhodt und 1897 die mehr als 4.300 Bände Bibliothek der Familie von Beulwitz in den Besitz der damaligen Fürstlichen öffentlichen Bibliothek über. Zu den nennenswerten Zuwächsen nach 1923 zählen u. a. die Bibliothek des Rudolstädter Gewerbevereins aus dem 19. Jh., im Zusammenhang mit der Bodenreform von 1946 enteignete Rittergutsbibliotheken sowie zum Teil umfangreiche Nachlässe Rudolstädter Persönlichkeiten.

Systematische Übersicht nach Bestandsgruppen und Sondersammlungen
Der historische Bestand ist nach einem Ordnungssystem aufgestellt, das in den 1880er Jahren eingeführt wurde. Es besteht aus Haupt- und zum Teil mehreren Untergruppen, dem das Wissenschaftsverständnis dieser Zeit zugrunde liegt.

„Neuere Philologie" (Werke deutscher Schriftsteller von 1500 bis Anfang 20. Jh. in Einzel- und Werkausgaben) - „Ältere Philologie" (Literatur der Antike bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, einschließlich Übersetzungen)) - „Geschichte" - „Biographien" - „Juristische Literatur" - „Historische Hilfswissenschaften" - „Theologie" - „Kulturgeschichte und allgemeine Religionswissenschaft" - „Erdkunde" - „Land-, Haus- und Forstwissenschaft, Technologie" - „Mathematische Wissenschaften" - „Allgemeine Sprachwissenschaften und orientalische Sprachen" - „Schöne Künste" - „Allgemeine naturwissenschaftliche Schriften" (Physik und Meteorologie, Chemie) - „Naturwissenschaften im engeren Sinne" (Meneralogie, Geologie und Paläontologie, Botanik, Zoologie) - „Staatswissenschaften" - „Medizin" - „Literaturgeschichte" - „Philosophie" - „Pädagogik" „Schwarzburgica" (Schrifttum aus und über Schwarzburg-Rudolstadt) - „Thuringica" (Schrifttum aus und über Thüringen).

Leichenpredigten
Sammelbände mit Leichenpredigten.

Daneben gibt es eine Reihe von Sondersammlungen, d. h. nach gattungsspezifischen Besonderheiten oder Herkunft geordnete Sammlungen. Zu den wichtigsten zählen:
„Inkunabeln" (Drucke bis 1500) - „Zeitschriften" - „Sammelbibliothek" (576 Sammelbände mit mehr als 10.000 Drucken des 16. bis 19. Jh.) - „Leichenpredigten" - „Historische Dissertationen" - „Schulprogramme" - „Flugschriften der Reformationszeit" - „Erotica" - „Rara" - Bibliothek der Familie v. Beulwitz" - „Bibliothek des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Sektion Rudolstadt" - „Bibliothek des Gewerbevereins Rudolstadt" - „Gutsbibliothek Henckel v. Donnersmarck" (ehemals Schloß Hirschhügel bei Rudolstadt, Depositum) - „Gutsbibliothek Niederkrossen" - „Gutsbibliothek v. Ketelhodt, Behringen" (Depositum) - Bibliothek der Gesellschaft für Buchkultur und Geschichte e.V. Rudolstadt (seit 1995) - Gesangbuchsammlung Gerd Schröder, Nauheim (Schenkung 2009).

Mehr als 2 600 Drucke stammen aus dem 16. Jahrhundert, etwa 12 400 aus dem 17. Jahrhundert, ca. 34 700 aus dem 18. Jahrhundert und auf das 19. Jahrhundert entfallen ca. 21 700.